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Ich bin unter Glas, und in meinem Auge liegt die Schönheit

"Ich bin unter Glas, und in meinem Auge liegt die Schönheit", 2018

Papier, Aquarell, 40 х 40 см


Das Malen nach Fotos. Wie viele Debatten gibt es zu diesem Thema! Ist es erlaubt oder nicht? Darf man "spicken"? Darf man Fotomaterial verwenden? Und wenn es niemand sieht, ist es dann okay? Was ist mit der Künstlerehre? )))

Heutzutage sehen wir viele Aquarelle mit Panoramalandschaften, die vom Gipfel eines Berges oder eines Wolkenkratzers aus gemalt wurden (wo immer Wind weht, der das Malbrett, das Papier und dich selbst wie ein Segel wegweht), Meereslandschaften, die quasi vom offenen Wasser aus gemalt wurden (wobei man deutlich sieht, dass der Künstler auf einem schwankenden Schiff stand), Szenen mit springenden Walen und Delfinen (die posieren nicht), Motive von fahrenden Autos in der nächtlichen Stadt oder Stadtansichten direkt im Regen (wenn Menschen sich in ihre Jacken hüllen und unter Vordächer flüchten), Winterlandschaften, bei denen man sieht, dass es mindestens 10 Grad minus hat (wenn das Wasser im Glas und am Pinsel sofort gefriert).

Schauen Sie sich diese Arbeit an. Sie zeigt Blumen, die entweder auf Glas oder auf Wasser liegen, von oben beleuchtet und von unten fotografiert. Und wie stellen Sie sich das Malen in so einer Pose vor? In so einer Pose kann man nur scharfstellen und den Auslöser drücken.

Aber warum nicht ein Motiv wählen, für das man keine unbequemen Posen einnehmen muss, und aus eigenem Namen schöpfen, statt nach dem Ebenbild eines Fotoapparats? Der Unterschied zwischen Künstler und Kamera liegt doch in der Selektivität. Der Mensch hat seine eigene, unverwechselbare Handschrift, eine Beziehung zum Motiv. Bestimmte Details ziehen seine Aufmerksamkeit mehr an, andere weniger. Die Kamera ist Technik, die alles gleich behandelt. Warum sie nachahmen?

– Niemand bildet das bloße Produkt der Technik ab. Künstler nutzen die Kamera, um Details nicht zu verpassen.

Und was ist mit den alten Meistern?

– Was haben die alten Meister damit zu tun? Und warum müssen wir wie sie sein? Hätten die alten Meister die gleichen Bedingungen gehabt wie wir, hätten sie auch eine Kamera benutzt. Ja, absolut! Ich bin mir sicher. Die alten Meister hatten ihre eigenen Hilfsmittel, die ihnen die Arbeit erleichterten. Sie hatten die Camera Obscura, die unsere zeitgenössischen Lehrer sorgfältig vor uns verheimlichten. Sie fanden, wir müssten unser Auge schulen, und hielten all diese „bürgerlichen“ Hilfsmittel für nichts weiter als „Cheating“ und dergleichen. Ich habe erst durch das Internet oder aus irgendeinem Film von der Camera Obscura erfahren, aber sicher nicht im Studium. Auch der Goldene Schnitt wurde uns nicht beigebracht. Unsere Lehrer konnten es selbst nicht. Es galt als unnötige Spielerei. Man sagte uns, es schränke ein. Nach dem Raster des Goldenen Schnitts ließen sich nur begrenzt viele Kompositionen bauen (und die großen Meister hätten sie alle schon verbraucht); man gewöhne sich daran und töte den Schöpfer in sich – so etwa erklärten sie das. Kurz gesagt: Vom Goldenen Schnitt erfuhr ich in der Kunstgeschichte, nicht in der Kompositionslehre. Als wir unsere Professoren darauf ansprachen, zeigten sie uns ganz kurz die Grundlagen, und dann hieß es: Macht, wie ihr wollt. Worauf ich hinaus will? Darauf, dass Künstler zu allen Zeiten technische Mittel fanden, um sich die Arbeit zu erleichtern. Ja, Modelle wurden nach dem Leben gemalt – aber nur, wenn man ein Modell hatte. Und das hat man nur, wenn man berühmt und anerkannt ist, was nur auf wenige Glückskinder zutrifft. Heute kann ich mir kaum vorstellen, wie man ohne Internet anerkannt werden soll. Man müsste schon in eine privilegierte Familie hineingeboren werden, von Geburt an Zugang zur High Society haben und dazu noch Talent und den Willen zum Malen. Ein armer Künstler hat kein Modell. Ein armer Künstler ohne Kamera und Internet würde des Plagiats bezichtigt, weil er sein Material irgendwoher nehmen muss. Ständig Skizzen vor Ort malen? Ja! Aber das reicht nicht immer aus. Manchmal ist die Fotojagd unersetzlich. Sie hält den Augenblick fest.

Unsinn! Jeder will einem Künstler Modell stehen! )))

– Was Sie nicht sagen! ))) Repin wurde bis zu 70 Stunden lang Modell gestanden.

Nun, Sie sind ja nicht Repin ...

– Ach ja? )) Und für wie viele Stunden „reicht“ es bei mir? )))

Aber warum überhaupt malen, wenn es schon ein Foto gibt? Warum ein Foto kopieren?

– Erstens: Wer nicht malen kann, kann auch nicht kopieren. Zweitens: Wie viele wunderbare Aquarelle hätten wir nie gesehen, wenn alle Künstler Fotomaterial verschmäht hätten? Drittens: Wenn ein Motiv den Künstler „packt“, dann wird er auch nach einer Fotografie die Stimmung übertragen. Und viertens: Es ist trotzdem ein Eintauchen – in eine einzigartige Beleuchtung, in ein hochkomplexes Architektur-Ensemble, in die Gischt des Meeres, in den Himmel und die Luft. Es ist die Handschrift des Autors.


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