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Rote Ecke

"Die rote Ecke", 2021

Papier, Aquarell, 40 x 50 cm

Das ist ein Zimmer in Großmutters Haus. Mir schien immer, dass darin mehr Luft war als draußen. Sie ist kristallklar und gleichzeitig greifbar.

Oma hatte ein kleines Haus: zwei Zimmer, eine Veranda und einen Flur. Nach dem Tod von Opa lebte sie dort lange Zeit allein. Ich habe ihn nicht mehr kennengelernt. Oma nutzte die Veranda, weil man durch sie ins Haus kommt, den Flur, weil dort die Lebensmittel gelagert wurden, und das eine Zimmer, in dem der Ofen stand. Aber dieses Zimmer hier schloss sie im Winter immer ab. Na ja, wissen Sie, so wie man einen Flügel eines Palastes schließt, um Heizkosten und Personal zu sparen )) Geöffnet wurde es nur, wenn mein Bruder und ich zu Besuch kamen – für uns und in unserer Gegenwart.

Es war immer eine „Switlyzja“ (Gute Stube). Es hat Fenster in zwei Wänden. Dort stand ein Büfett mit Kristallglas (wie ginge es auch ohne?), Kränze, die von Hochzeiten übrig geblieben waren, hingen dort, von Oma gestickte Bilder und Fotos von Verwandten. Auf den Betten standen die Kissen wie bei einer Parade, je drei Stück übereinander, und es lagen blütenweiße, gehäkelte Tagesdecken und Bettschürzen darauf.

Aber das Erste, was mich überflutete, wenn ich dieses Zimmer betrat, waren der Geruch und die Kühle. Bei heißem Sommerwetter ist das wie eine Medizin. Das Rohrsystem des Ofens umschloss das ganze Haus, aber trotzdem war das Zimmer, in dem der Ofen direkt stand, wärmer. Diese Kühle hielt sich dort irgendwie auch im Sommer.

Der Geruch von Maische, Gebäck, dem Ofen, trockenen Kräutern und Kalk.

Schneeweiße Vorhänge aus Guipure, Servietten mit Spitzenbesatz und bestickte Tischdecken.

Lichtreflexe der blühenden Akazien, die im Garten schwanken.

Das Zirpen der Grillen und das Rauschen des Laubs.

Das alles ist die Luft.

 

 

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