!Ihre Nachricht wurde erfolgreich gesendet
und wird in Kürze bearbeitet
"Antike Schneekönigin", 2016
Gips, 43 х 20 х 23 см
Eigentlich ist die Geschichte ganz prosaisch. Es war Sommer, ich saß zu Hause und fühlte mich ein wenig einsam. Also rief ich Katja an – ich wollte raus, hatte aber niemanden, der mich begleitete. Katja sagte: „Komm doch zu Hleb ins Atelier, er modelliert mich gerade. Wenn du Lust hast, mach mit.“
„Oh!“, dachte ich mir. „Das ist es!“ Zumal Hleb Ton hatte, und ich zuvor noch nie mit Ton gearbeitet hatte. So konnte ich direkt nach der Natur modellieren und gleichzeitig ein neues Material bändigen. So fing alles an.
Später arbeitete ich zu Hause und in Katjas Atelier weiter. Ich machte Fotos, aber sie halfen mir nicht wirklich. Eine Kamera sieht die Natur nicht so schön, wie ich sie sehe – und vor allem ohne Charakter. Und der Charakter dort war: Wow!
Später, wenn man die Arbeit vollendet, geschieht eine Art Zauber – man haucht der Form eine Seele ein. Das klingt pathetisch, aber genau so fühle ich es. Es gibt diesen Moment im Schaffensprozess, in dem es plötzlich schwerfällt, die Form der Nase zu ändern – weil es bereits eine echte Nase ist und kein Ton mehr.
Und natürlich ist jede Skulptur immer auch ein Stück Selbstporträt. So sehr ich auch versuchte, Katja in ihrer natürlichen Größe zu modellieren, am Ende entsprachen die Proportionen eher meinen eigenen als ihren. Genau darin liegt wohl unsere Ähnlichkeit.
Mir ist es immer extrem wichtig, die Ähnlichkeit einzufangen, um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann. Ich finde keine Ruhe, wenn es zwar schön, aber nicht ähnlich ist. Dafür muss man das Werk von Anfang an „pflegen“: die Proportionen von Höhe zu Breite und Tiefe exakt aufbauen, alle Winkel richtig bestimmen. Erst wenn das Porträt auch ohne Details bereits ähnlich wirkt, kann man mit dem Verfeinern beginnen. Erst dann kann man mit Emotionen spielen – erst dann beeinflusst die kleinste Veränderung der Lippenwinkel oder das Heben der Augenlider den Gesichtsausdruck und den Charakter.
Natürlich kann man auch aus dem Kopf modellieren, aber selbst dann nutzt man Prototypen: eine Stirn, die man irgendwo gesehen hat, eine Nase, die man schon lange formen wollte, oder ein Kinn, das den Charakter unterstreicht. Was ist leichter – nach der Natur oder aus dem Kopf? Mal so, mal so. Gut wird es dann, wenn im Kopf ein klares Bild entsteht – ob aus echten Menschen oder aus der eigenen Idee, das spielt keine Rolle.
Kommentar schreiben