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"Elf", 2010
Dies ist mein erstes Porträt, meine erste Arbeit in Gips, an der ich das Formen und Gießen gelernt habe. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit der Bildhauerei begann. Ich wirbelte meinen Freundeskreis ordentlich auf, suchte über Bekannte von Bekannten nach Bildhauern und ließ mir in freundschaftlichen Gesprächen die Prinzipien des Formens und Gießens erklären.
Ich weiß sogar noch genau, wie dieser Wunsch entstand. Wenn man dieses Leben lebt – die Pflichten als Mutter, Tochter, Hausfrau, Köchin, Haushälterin und leitende Designerin im Beruf erfüllt – versteht man irgendwann, dass man müde davon ist, ständig jemandem etwas schuldig zu sein. Man hat Angst, dem Chef nicht zu gefallen, die Mutter zu verärgern oder – Gott bewahre – es nicht zu schaffen, einzukaufen, zu waschen, zu kochen und das Kind rechtzeitig vom Kindergarten abzuholen. Das ist so erschöpfend, dass man sich unwillkürlich fragt: Und was ist mit mir? Was nährt mich? Das Kind wird groß und geht seinen Weg, die Hausarbeit nimmt niemals ein Ende. Also entschied ich, dass ich Ballast abwerfen muss.
Als Erstes flog die „Hausfrau“ über Bord. Von da an sah ich über das Putzen und Kochen hinweg. Das zwang mein Kind (damals schon ein Schulkind) sogar dazu, selbst kochen zu lernen. Was für eine schlechte Mutter ich doch bin! Ich sage das mit Stolz. Denn er fing an, es richtig gut zu machen. Dafür gelang mir die Bildhauerei immer besser, weil ich endlich Zeit dafür hatte.
Dann beschloss ich, meine Arbeit zu reduzieren. Die Sache ist die: Der Job eines Designers besteht nicht nur darin, Design zu entwerfen, sondern darin, zuerst dem inneren Zensor zu gefallen, dann dem Manager, dann dem Direktor und schließlich dem Kunden (zu diesem Zeitpunkt ist der innere Zensor meist schon tot). Und dann erklärt irgendjemand – egal wer – herablassend, dass ich die Zwischenentwürfe aus meinem Portfolio entfernen soll (genau jene, bei denen der innere Zensor noch am Leben war). So fiel die Entscheidung, in die Freiberuflichkeit zu wechseln, um das Leben meines inneren Zensors zu retten und von nun an nur noch dem Kunden gefallen zu müssen.
Und dann... man kann nicht sagen, dass die Welt Kopf stand, sie blieb dieselbe, aber meine emotionale Palette veränderte sich. Ich begann, die Welt durch ein völlig anderes Prisma zu sehen. Das sind keine rosa Brillen; es ist eher so, als schiene der Boden weiter entfernt, das Licht vor dem Fenster klarer und die abblätternde Farbe an den alten, renovierungsbedürftigen Fenstern verwandelt sich in edles Vintage. Man kann morgens aufwachen, den Duft des Flieders einatmen und erkennen, dass man nirgendwohin eilen muss. Du trinkst deinen Tee und gehst ans Modellieren. Am Abend färben die Sonnenstrahlen die Straße, eine kühle Brise weht durch das Fenster und aus dem Park klingt live gespielte Musik. In diesem Moment gehe ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach, kann aber jederzeit spazieren gehen oder spontan ins Kino verschwinden. Es ist wie Schweben.
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